Unser Namensgeber: René Schickele

Sein Herz trug die Liebe und die Weisheit zweier Völker.“  Diese Aussage von Kasimir Edschmid über seinen Freund kann man auf einer Tafel am René-Schickele-Brunnen in der Kanderner Straße lesen. Am 7. Juli 1995 gaben wir unserer Schule einen Namen: René-Schickele-Schule Badenweiler

René Schickele

Da in Badenweiler viele berühmte Persönlichkeiten lebten, war es nicht einfach, sich für einen Namen zu entscheiden. Wir wählten René Schickele, da er als geborener Elsässer ein zweisprachiger Schriftsteller war, der schon sehr früh als Vermittler zwischen Frankreich und Deutschland eintrat und sich gegen Gewalt einsetzte. In der ersten Hälfte des 20. Jh. spielte er eine wichtige Rolle in der deutschen Literaturgeschichte. Auch wir möchten, wie er selbst sagte, zusammenarbeiten »im Garten der deutsch-französischen Freundschaft zwischen Vogesen und Schwarzwald, der so eins und unteilbar ist, dass die politischen Grenzen deutlich als eine Fiktion erscheinen.«

»Unser Land«, so fordert René Schickele, »soll Unterpfand der deutsch-französischen Freundschaft werden, ein Tempel unseres ewigen Friedens.«

René Schickeles Lebenslauf

René Schickeles Leben und Werk ist gleichsam ein Spiegelbild des geschichtlich-politischen Schicksals seiner Heimat, dem Elsaß.

Er ist am 4. August 1883 in Oberehnheim (heute Obernai) an der elsässischen Weinstraße als Sohn eines deutschstämmigen Winzers und Polizeikommissars in deutschem Staatsdienst – das Elsaß als Folge des deutsch-französischen Krieges 1870/71 dem Deutschen Reich eingegliedert – und einer französischen Mutter geboren.

Im Elternhaus sprach man ausschließlich Französisch, und so wurde die Sprache seine Mutter im wortwörtlichen Sinne seine Muttersprache in einem Vaterland, in dem die Amtssprache das Deutsche war. Die deutsche Sprache erlernte er erst in der Schule. Er lernte sie leicht und lieben, so dass er sie später zur Sprache seiner Dichtung und Schriftstellerei erwählte und ihr auch dann treu verbunden blieb, als das Elsaß nach der Niederlagen des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg wieder französisch wurde. Als gebürtiger Elsässer war Schickele französischer Staatsbürger und blieb dies bis zu seinem Tod am 31. Januar 1940.

René Schickele studierte Literaturgeschichte, Naturwissenschaften und Philospphie in Straßburg, München, Paris und Berlin. Dann gab er mit seinen Freunden Otto Flake und Ernst Stadler nacheinander mehrere Zeitschriften heraus und er veröffentlichte mehrere Gedichtbände.

Schickele wurde 1914 Herausgeber von Die Weißen Blätter, die durch ihn zu einer der wichtigsten Zeitschriften des Expressionismus wurden. Schon vor dem Ersten Weltkrieg war er auch als Journalist und Politiker aktiv. Während des Krieges publizierten in den Weißen Blättern pazifistische Autoren wie Johannes R. Becher, Leonhard Frank, Walter Hasenclever und Heinrich Mann. Das Organ unterstützte locker den Bund Neues Vaterland1

Nach dem Ersten Weltkrieg zog Schickele nach Badenweiler und engagierte sich leidenschaftlich für die Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich. In Badenweiler verbanden ihn Freundschaften mit der Schriftstellerin Annette Kolb und dem Maler Emil Bizer.

Schon im Jahr 1932 ahnte er die drohende Machtergreifung durch die Nationalsozialisten und emigrierte in das südfranzösische Sanary-sur-Mer. In diesem kleinen Fischerdorf lebten auch Heinrich und Thomas Mann, Arnold Zweig, Franz Werfel, Lion Feuchtwanger, Ernst Toller, Bert Brecht und andere deutsche Literaten. Einige Monate vor dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht starb Schickele an Herzversagen.

1956 wurden Schickeles sterbliche Überreste auf den Friedhof Badenweiler-Lipburg überführt. Man findet das Grab in der Nähe der Friedhofskapelle unter der Grabnummer 159/160. Der Ort der letzten Ruhestätte spiegelt das, wofür René Schickele gelebt hat: Vom außerhalb des Ortes hoch gelegenen Friedhof hat man einen weiten Blick über die deutsche und französische Landschaft am Oberrhein.

Das Werk René Schickeles

René Schickeles Werk als Schriftsteller ist durch die Sonderstellung des Elsass im Spannungsfeld der französischen und deutschen Kultur geprägt. Er war ein hellhöriger Beobachter seiner Zeit, welcher Politik, Gesellschaft und Kultur scharf charakterisierte und kritisierte.

Seine essayistischen Texte publizierte er in seinen Büchern Schreie auf dem Boulevard (1913), Die Genfer Reise (1919) und Wir wollen nicht sterben (1922). In seinen beiden nächsten Werken Die Grenze (1932) und Himmlische Landschaft (1933) ging er von der Schönheit der Landschaft aus, die Deutsche und Franzosen verpflichte, einen gemeinsamen europäischen Weg zu gehen. Am Ort seiner Emigration verfasste er, aus seiner Enttäuschung über das Scheitern der Weimarer Republik heraus, den Roman Die Witwe Bosca. Schickeles letzte essayistische Texte Liebe und Ärgernis des D. H. Lawrence (1935) und das – als einziges in französischer Sprache verfasste – wehmütig pessimistische Buch Le Retour (1938) zeugen von seiner Enttäuschung über die misslungene Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich und belegen seine schmerzhafte Entscheidung für das demokratische Frankreich.

Als Schickeles bekanntestes Werk gilt die Romantrilogie Das Erbe am Rhein mit den drei Teilen Maria Capponi (1925), Blick auf die Vogesen (1927) und Der Wolf in der Hürde (1931).